Humorvolle Collage mit drei Kindern, die übergroße Brillen tragen und wie Erwachsene gekleidet sind – ein Sinnbild für die verschiedenen Rollen, die Zahnärzte als Praxisgründer einnehmen müssen.

Praxisgründung als Zahnarzt – Rollen und Eigenschaften eines Gründers

Sie sind angestellte Zahnärztin bzw. angestellter Zahnarzt und fragen sich, welche Eigenschaften Sie brauchen, um die eigene Praxis zu gründen und in dieser erfolgreich zu sein?

In der eigenen Praxis sollten Sie dann die drei Rollen des Visionärs, Managers und der Fachkraft einnehmen. Daneben gilt es elementare Eigenschaften eines Gründers mitzubringen und einzubringen. In unserem Beitrag gehen wir auf diese drei Rollen ein und stellen Ihnen die verschiedenen Eigenschaften vor, die Ihnen helfen, bei der Praxisgründung als Zahnarzt noch besser zu starten und Ihre Praxis noch schneller zu etablieren.

Inhalt

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1. Rollen eines Gründers: Der Visionär

Zunächst einmal nehmen Sie als Gründer die Rolle des Visionärs ein. Der Visionär arbeitet an der Praxis und überlegt, wie diese noch besser werden kann. Dabei hat er immer die Zukunft im Blick. Idealerweise überlegt der Visionär wie er seine Praxis in 30 Jahren an seinen Nachfolger übergeben will und kreiert somit eine Vision für die eigene Praxis. Das kann wiederum mit einem Statement einhergehen. Wichtig ist hierbei auch die Positionierung:

Meine Praxis steht für…

  • moderne Zahnheilkunde
  • ästhetische Zahnheilkunde
  • funktionelle Zahnheilkunde

Die Praxisstrategie – Positionieren Sie Ihre Praxis

Wenn man schaut, weshalb Unternehmen scheitern, dann hängt dies oft mit einer fehlenden Strategie zusammen, wodurch das vorhandene Potenzial nicht ausgeschöpft wird. Die Strategie beinhaltet eine Positionierung, ein Statement für, aber auch gegen eine bestimmte Richtung. Diese Positionierung kann zugegebenermaßen schwerfallen, eine gewisse Abgrenzung ist aber notwendig. Durch Ihre Positionierung arbeiten Sie die entsprechenden Stärken Ihrer Praxis heraus, die später, nach Überstehen der Anfangshürden, wirklich sichtbar werden. Diese Strategie bzw. dieses Leitbild sollte daher von Anfang an vorhanden sein.

Das große Ganze

Oftmals wird die Strategieentwicklung nur als Praxiskonzept angesehen, jedoch kann man diese Überlegungen auch eine Stufe höherstellen und erweitern.

  • Warum haben Sie Zahnmedizin studiert?
  • Warum machen Sie sich selbstständig?
  • Was möchten Sie für den Patienten erreichen?

ZSH zum Beispiel möchte die beste Finanzdienstleistung für Zahnmediziner anbieten. Was möchten Sie?

  • Sie möchten den Patienten heilen
  • Sie möchten die beste Endo anbieten
  • Sie möchten den natürlichen Zahn erhalten
  • etc.

Diese Ziele treiben einen Praxisinhaber an und mit dieser Motivation kann man auch Mitarbeiter und Patienten für sich gewinnen und begeistern. Dadurch kann wiederum schnell eine große Netzwerkgruppe um Sie herum entstehen, indem nahestehende Berufsfelder miteinbezogen werden.

Am Anfang steht also die Frage im Raum, wo Sie mit Ihrer Praxis hinmöchten. Das Ziel des Praxisinhabers – in der Rolle des Visionärs – sollte nun sein, eine Idee festzulegen, bei dieser zu bleiben und darauf hinzuarbeiten.

Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch?

Die grundlegende Praxisstrategie entwickeln Sie zunächst nur ein Mal. Wenn diese Struktur jedoch steht, muss Sie immer wieder überprüft, evaluiert und gegebenenfalls angepasst werden. Nehmen Sie sich daher pro Monat ca. 1 Stunde bzw. pro Jahr 1-2 Tage völlig aus dem Tagesgeschäft heraus, um zu schauen, ob Sie sich noch auf dem richtigen Weg befinden. Stellen Sie sich dabei zum Beispiel folgende Fragen:

Ihre Erkenntnisse sollten Sie dann in einer Analyse kombinieren. So bekommen Sie die Praxis auf die Spur und können hervorragend eine Richtung vorgeben, an der sich alle orientieren können.

Die Praxisphilosophie nach außen tragen

Die Praxisphilosophie wirkt also nach innen zur Begeisterung und Orientierung der Mitarbeiter, aber auch nach außen in Ihrem Marketing. Sie übergeben Ihre Vision Ihrem Marketing-Experten und erklären ihm, wo Sie genau hinmöchten: Das ist die Idee und das sind die Patienten, die ich benötige, das ist mein Behandlungskonzept. Auf dieser Basis kann er viel besser arbeiten, weil er die Richtung kennt, die Sie mit Ihrer Praxis einschlagen möchten.

Tipp: Es kann sinnvoll sein, auf Marketing-Experten zu setzen, denen Sie Ihre Vision erklären und die Ihnen helfen, diese zu vermarkten. Die Idee selbst sollte jedoch von Ihnen kommen oder Sie entwickeln sie gemeinsam mit Ihrem ZSH-Berater.

2. Rollen eines Gründers: Der Manager / Die Führungskraft

Als zweites nehmen Sie als Gründer auch die Rolle des Managers bzw. der Führungskraft ein. Der Manager schaut, wie er die Idee des Visionärs umsetzen kann und welche Ziele in der Praxis dafür notwendig sind.

  • Welche kurz-, mittel- und langfristigen Ziele müssen aufgestellt werden?
  • Wie kann ich die eigenen Mitarbeiter dafür gewinnen und an die Praxis binden?
  • Wie kann ich die eigenen Mitarbeiter weiterentwickeln und Mitarbeiter, die sich anders entwickeln, wieder von der Praxis trennen?

Das sind die Hauptaufgaben des Managers. Die Aufgaben des Managers können deutlich leichter delegiert werden als die des Visionärs.

Controlling – Die finanzielle Planung

Eine der Aufgaben des Managers ist das Controlling. Das Controlling beinhaltet die Planung der Umsätze für das laufende Jahr sowie für die folgenden Jahre. Außerdem ist es wichtig, eine Liquiditätsplanung für die Praxis vorzunehmen und bestimmte Kennzahlen regelmäßig zu überprüfen.

Hier gilt es z. B. Folgendes zu beobachten:

  • Wie viele Ihrer Patienten gehen zur Prophylaxe?
  • Wie hoch ist Ihre Prophylaxe-Quote?
  • Weshalb haben Patienten die Praxis verlassen?
  • Wie ist Ihre HKP-Quote?
  • Wie viele HKPs geben Sie raus und wie viele werden davon umgesetzt?

Wichtig ist vor allem, dass Sie sich mit den Zahlen Ihrer Praxis vertraut machen und diese gegebenenfalls mit einem Berater besprechen, der auch andere Zahnarztpraxen betreut, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo Sie mit Ihrer Praxis stehen.

Tipp: Einmal im Monat sollten Sie sich für 5 Stunden mit den Zahlen Ihrer Praxis beschäftigen:

  • Welchen Umsatz habe ich erwirtschaftet?
  • Welche Ausgaben hatte ich?
  • Wie viel ist übrig geblieben?
  • Wie viele neue Patienten konnte ich gewinnen?
  • Wie viele Patienten hatte ich insgesamt?
  • Wie viele Patienten haben die Praxis verlassen?

Personalentwicklung – Mitarbeiter weiterbilden

Die Führungskraft entwickelt das Personal. Team-Meetings und Einzelgespräche können dabei hilfreich sein:

  • Wo will der einzelne Mitarbeiter hin und was motiviert ihn?
  • Wann war es ein guter Tag für ihn und wann ein schlechter Tag?

Es ist wichtig, ein Gefühl für die eigenen Mitarbeiter zu bekommen und zu verstehen, wie man diese für die eigene Praxis und die Idee der Praxis begeistern kann. Wohin wollen diese sich selbst entwickeln? Es bestehen viele Möglichkeiten, z. B. in die Prophylaxe durch eine Weiterbildung zur Dentalhygienikerin.

Wenn es zu Ihrem Konzept passt, dann unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter darin sich weiterzuentwickeln. So gewinnen Sie auf der einen Seite geschulteres Personal. Andererseits gewinnen Sie aber auch leichter neues Personal, wenn Sie für eine gute Führung stehen.

Prozessoptimierung – effektive Praxisabläufe garantieren

Ein Augenmerk der Führungskraft sollte auch auf den Prozesse liegen.

Viele schimpfen immer wieder über das Thema Qualitätsmanagement. Doch das QM kann auch als Geschenk gesehen werden. Natürlich ist es ein unausweichliches Thema und das kann auch ein Stück weit frustrieren. Wenn Sie jedoch eine Chance darin sehen und immer wieder mit Ihren Mitarbeitern trainieren und das QM an die tatsächlichen Praxisabläufe anpassen, dann schaffen Sie durch die Dokumentation wiederkehrender Prozesse eine replizierbare Praxis. Falls ein Mitarbeiter kurzfristig ausfällt, können Sie einen neuen Mitarbeiter mit den notwendigen Arbeitsabläufen ausstatten und alles detailliert in schriftlicher Form vorlegen. Nutzen Sie beschriebene Arbeitsabläufe als Schulungsunterlagen für neue Mitarbeiter oder als Chance zu kommunizieren, wie Sie sich Abläufe vorstellen.

Das QM stellt daher ein effizientes Transportmittel für die Kommunikation zwischen Mitarbeiter und Praxisinhaber dar.

Tipp: Lassen Sie die Arbeitsabläufe von den Mitarbeitern vorstellen. Dadurch entwickelt sich zum einen die Persönlichkeit der Mitarbeiter, zum anderen brennt sich die Thematik bei allen nochmal ein.

3. Rollen eines Gründers: Die Fachkraft

In das benötigte Fachwissen als Zahnmediziner haben Sie bereits viel Zeit investiert. Unserer Meinung nach reichen 90 Prozent des zahnmedizinischen Fachwissens für die eigene Praxis jedoch aus. Die weiteren 10 Prozent an Behandlungsfällen, die Sie persönlich nicht selbst lösen können, überweisen Sie sowohl in der Anstellung als auch der Selbstständigkeit an den entsprechenden Experten weiter.

90 Prozent an zu lösenden Behandlungsfällen sind für den Schritt in die eigene Praxis also ausreichend.

Dieses Fachwissen – in Verbindung mit dem immens wichtigen Wissen als Manager, Führungskraft und Visionär – stellt das Fundament für einen guten Praxisstart sowie eine positive Praxisentwickelung dar.

Lesetipp: Erfahren Sie in unserem Blogbeitrag, „Ist die Niederlassung als Zahnarzt noch attraktiv?“, ob sich eine Praxisgründung für Zahnärztinnen und Zahnärzte heute noch lohnt.

4. Eigenschaften eines Gründers

Neben den drei oben beschriebenen wichtigen Rollen, die Sie als Gründer einnehmen müssen, gilt es auch emotional für die Existenzgründung geeignet zu sein. Die Frage hierbei ist also:

Die folgenden Eigenschaften sollten Sie aus unserer Sicht mitbringen, um erfolgreich mit der eigenen Praxis zu starten:

Mut

Zunächst einmal brauchen Sie natürlich viel Mut. Sie springen quasi ins kalte Wasser und lernen dabei schwimmen. Sie können sich vorab gut vorbereiten, aber alles können Sie in der Vorbereitung nicht lernen. Sie brauchen also einen gewissen Grad an Mut für das Unvorhersehbare und müssen sich auf die Selbstständigkeit an sich einlassen können.

Eigeninitiative

Eigeninitiative ist unglaublich wichtig beim Start in die Selbstständigkeit. Sie sind später die Führungskraft, die Mitarbeiter mitreißt, Dinge antreibt, Verbesserungen anstößt und, von sich aus, Vorschläge und Verbesserungen in der Praxis etabliert und einbringt.

Verantwortungs­bewusstsein

Daneben ist auch Verantwortungsbewusstsein immens wichtig. Sie verantworten Ihre Praxis, das Ergebnis der Praxis, führen Mitarbeiter und sind verantwortlich, dass es diesen gut geht und sie ihre Leistung in der Praxis abliefern. Zudem tragen Sie eine große Verantwortung gegenüber Ihren Patienten. Dessen müssen Sie sich bewusst sein.

Resilienz / Durchhaltevermögen

Ein derzeit viel genutztes Wort ist Resilienz. Es beschreibt die Fähigkeit schwierige Situationen ohne Beeinträchtigungen gut durchzustehen. Es wird Durststrecken und harte Momente geben. Sie brauchen vielleicht länger, die Praxis, die Sie übernommen haben, in die Richtung zu bewegen, wie Sie es sich vorstellen. Hier gilt es durchzuhalten und an der großen Vision festzuhalten.

Neugierde

Auch einen gewissen Grad an Neugierde sollten Sie mitbringen. Die Zahnmedizin ist schnelllebig, die Forschung entwickelt sich immer weiter, die Behandlungsmethoden und Geräte werden immer attraktiver und interessanter. Bleiben Sie also am Zahn der Zeit. Weiterbildungsangebote wie z. B. Fachkongresse und die zahnmedizinische Fachpresse helfen Ihnen dabei.

Entscheidungs­sicherheit

Die Entscheidungssicherheit ist besonders wichtig. Sie sind die Führungskraft der Praxis und hinter den Entscheidungen, die Sie fällen, sollten Sie stehen und diese müssen Sie an Ihre Mitarbeiter transportieren. Manche Entscheidungen können hart werden. Sie müssen jemanden für den Arbeitsmarkt wieder freigeben oder Sie geben einem Mitarbeiter die Gehaltserhöhung nicht. Wer hierbei lange überlegt und zu keiner Entscheidung kommt, wird es in der eigenen Praxis schwer haben. Wenn Sie entscheidungssicher sind, unterstützt Sie diese Fähigkeit im Praxisalltag.

Antrieb – hungrig bleiben

Der letzte Punkt ist ein sehr interessanter Punkt: hungrig bleiben. Motivieren Sie sich selbst und bleiben Sie hungrig für das Wohl Ihrer Patienten und den Erfolg Ihrer Praxis. Damit Sie noch mehr Wert an den Patienten transportieren und sich und Ihre Praxis immer weiterentwickeln.

5. Fazit

Wenn Sie die drei Rollen Visionär, Manager/Führungskraft und Fachkraft einnehmen sowie die genannten Eigenschaften mitbringen, steht dem Erfolg Ihrer Praxis von Ihrer Seite aus nichts im Wege. Bevor Sie jedoch den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, müssen Sie für sich abwägen, ob Sie überhaupt der Typ dafür sind, eine Zahnarztpraxis zu gründen.

Haben Sie noch Fragen? Gerne unterstützt Sie Ihr ZSH-Berater bei jeglichen Fragen zur Praxisgründung. Er hat bereits zahlreiche Zahnärzte begleitet und kann Ihnen jederzeit hilfreiche Tipps geben.

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